Verfassungsblog als Plagiatsopfer?

19. Juni 2012

Verfassungsblog als Plagiatsopfer?

Eine Menge Wissenschaftler und Scheinwissenschaftler sind in den letzten Monaten ihrer fatalen Neigung überführt worden, sich mit anderer Leuts Gedanken den intellektuellen Federschmuck zu vervollständigen.

Jetzt kann sich anscheinend auch der Verfassungsblog rühmen, ungekennzeichnet zitiert worden zu sein. Auf der Plagiats-Enthüllungsseite Vroniplag taucht eine Passage aus einem Blogpost von Matthias Kötter auf, die die Autoren eines Buchs über juristische Methodenlehre offenbar so interessant fanden, dass sie sie gleich mal in ihr Buch copypasteten.

Ich hatte das Buch nicht in den Händen und habe das nicht selber überprüft. Ich muss mich da auf die Akkuratesse der Vroniplag-Rechereure verlassen. Aber unterstellt, das ist so, wie dort behauptet: Das freut einen ja schon erst mal. Ist ja auch ein schöner Text, den der Matthias da geschrieben hat. Volles Verständnis dafür, dass die Autoren das Bedürfnis überkam, seine Gedanken weiterzuverbreiten.

Doppelt Spaß macht uns der Vorgang, weil die Autoren damit ihre Qualifikation, ihre Studenten über das saubere juristische Arbeiten zu belehren, auf das Eindrucksvollste unter Beweis stellen.

Dreifach zum Jubeln gibt er uns Anlass, weil die Vroniplag-Detektive aus dem Buch wie folgt zitieren:

  • Seite 121, Rn 1: „„E Pluribus Unum“[FN 1: Guttenberg, Verfassung und Verfassungsvertrag, S. 1.] – aus vielen Eines. Wer sich diesen Leitsatz, der das Siegel der Vereinigten Staaten prägt, auch für die Erstellung einer wissenschaftlichen Arbeit zu eigen machen will, wird schnell sein blaues Wunder erleben.“ (…)

Uns ist schon bekannt, dass viele Wissenschaftler Blogs nicht für zitierfähige Literatur halten. Ich kann darin zwar keinen rechten Sinn entdecken, aber wer das so sieht, bitte schön. Allerdings hatte das allerdings immer so verstanden, dass dann eben aus Blogs, nun ja … halt nicht zitiert wird.

Aber zu sagen, den Content nehmen wir schon, aber wir verschweigen schamhaft, woher er kommt – dass „nicht zitierfähig“ womöglich das bedeutet, darauf wäre ich von alleine nicht gekommen.

Schreibe einen Kommentar