Wir werden den Quatsch aber nicht beenden, Herr Gabriel

29. November 2013

Wir werden den Quatsch aber nicht beenden, Herr Gabriel

Ist der SPD-Mitgliederentscheid über den Koalitionsvertrag demokratiefeindlich? Beschädigt er das freie Mandat der Bundestagsabgeordneten? SPD-Chef Gabriel fand diese Fragen gestern im Tagesthemen-Interview derartig abartig, dass er Marietta Slomka fast den Gefallen getan hätte, komplett die Fassung zu verlieren.

„Lassen Sie uns den Quatsch beenden“: Das ist die Wortwahl, mit der der SPD-Chef und künftige Vizekanzler die Diskussionsaufforderung eines Staatsrechtlers vom Format eines Christoph Degenhart beantwortet.

Das sollten wir uns merken.

Der Mitgliederentscheid ist keine urdemokratische Grassroots-Initiative, sondern eine clevere Idee des cleveren Herrn Gabriel, seinen durch das Wahlvolk gemeinerweise auf 25,7% verkürzten Verhandlungshebel gegenüber der 41,5%-Union um ein gehöriges Stück zu verlängern. Gabriel hat von diesem Hebel geschickt Gebrauch zu machen verstanden, weshalb die SPD-Mitglieder nach Meinung Gabriels tief zufrieden sein können mit der „sozialdemokratischen Handschrift“ dieses Koalitionsvertrags und deshalb getrost zustimmen können, ihrem unguten Gefühl, dass derselbe für das Land und die Partei vielleicht nicht gut sein könnte, zum Trotz.

Wie jeder kluge Bonapartist hat Gabriel verstanden, dass man Kaiser nur wird, wenn man Parlament und Verfassung und den ganzen konstitutionellen „Quatsch“ durch ein Bündnis mit etwas Amorphem, Formbarem und Unkonstituiertem aushebelt, das man Volk nennen kann oder Basis oder von mir aus Corn Flakes, jedenfalls aber etwas, das erst dadurch zu einem politischen Kollektivakteur wird, dass man selbst es dazu macht.

Glückwunsch an dieser Stelle übrigens an Marietta Slomka. Das war großer Journalismus.

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