[metaslider id=32215]
Ich habe es rechtzeitig zum Flughafen geschafft, wenngleich mit Mühe. Gleich steige ich ins Flugzeug, daher nur schnell ein paar Fotos und einige Zeilen. Bottom line: anders als in den letzten beiden Tagen habe ich heute durchaus eine Stadt in Aufruhr erlebt. Die großen Straßen waren voll, Krach, Hupen, Gesänge und Gebrüll, unausweichlich, überall. Die Menge der Demonstranten: nicht zu zählen. Die Via Laietana, die Rambla Catalunya, alle großen Straßen sind voll, voll, voll. In der Luft Hubschrauber, aber auf den Straßen wenig Polizei zu sehen. Die Stimmung ist weiterhin festlich und angstfrei. Überwiegend jedenfalls. In der Avinguda del Portal de’l Ángel kommt mir ein Trüppchen mit rot-schwarzen Fahnen entgegen, die keinen Spaß verstehen. Als ich ein Foto mache, wird mir zu verstehen gegeben, den Apparat schnell wegzupacken, wenn ich keinen Ärger haben will.
Der Generalstreik scheint auch zu funktionieren. Die meisten Läden sind zu, ein Taxi zu bekommen schwierig, der Verkehr in der Innenstadt ist total zum Erliegen gekommen.
Einer meiner Gesprächspartner schreibt per Email, er habe von einer guten Quelle gehört, dass entweder morgen oder am Freitag das Parlament die Unabhängigkeit erklären werde. Außerdem verfestige sich nach seinem Eindruck in Madrid selbst bei vernünftigen, liberalen Leuten die Meinung, dass die Polizeigewalt am Sonntag notwendig und gerechtfertigt gewesen sei und ein legales Referendum absolut ausgeschlossen sei.
Einstweilen scheinen also die Zeichen weiter auf Eskalation zu stehen.
Update (abends): Der König hat sich mit einer im Fernsehen übertragenen Rede an das spanische Volk gewandt, was er nur selten tut, und sich dabei unmissverständlich auf die Seite der spanischen Zentralregierung geschlagen. Kein Wort von Vermittlung und Verhandlungen, kein Wort des Bedauerns über die Polizeigewalt, kein Wort über eine Verfassungsreform, im Gegenteil: „Seit Jahrzehnten leben wir in einem demokratischen Staat, der jedermann verfassungsrechtliche Wege anbietet, seine Ideen innerhalb des Respekts für das Recht zu artikulieren.“ Ich würde dem inhaltlich gar nicht unbedingt widersprechen, aber auch für moderate Katalanen dürften sich diese Worte in der gegenwärtigen Situation wie Hohn anhören. Wieder eine Chance zur Deeskalation verpasst.