Carte Blanche for Judicial Appointments?

In the recent Valančius judgment, the Grand Chamber of the Court of Justice of the European Union (Court of Justice or ECJ), ruled on Union law requirements for the judicial appointment procedure to the EU General Court. Having previously clarified the Union law requirements for the selection procedures of national judges, the Valančius case at first sight confirms the applicability of these requirements to the selection procedure of EU General Court judges. However, a closer look reveals that the judgment risks effectively giving carte blanche for Member States to design the national stage of the appointment procedure regarding EU General Court judges.

Jenseits geltenden Rechts

Der Deutsche Bundestag hat gestern die von der CDU/CSU-Fraktion vorgelegten „Fünf Punkte für sichere Grenzen und das Ende der illegalen Migration“ verabschiedet. Für besonders viel Aufsehen sorgte dabei, dass damit erstmals in der Geschichte des Deutschen Bundestags ein Antrag mit den Stimmen einer autoritär-populistischen Partei zustande gekommen ist. Noch nicht genug Aufmerksamkeit erhält dagegen die rechtliche Dimension des Antrags. Der Antrag wirft nicht nur grundlegende Fragen etwa in Bezug auf die dauerhafte Inhaftnahme ausreisepflichtiger Personen auf, sondern erhebt sich in Teilen offen über geltendes Recht.

Prekäre Identitäten

Bis heute fehlen in Österreich gesetzliche Regelungen für die Änderung des Geschlechtseintrags von Trans* und Inter* Personen. Der Verfassungsgerichtshof und der Verwaltungsgerichtshof vertraten dabei seit den 1990er Jahren eine progressive Linie: Nun scheint der VwGH seine fortschrittliche Haltung aufzugeben: Das Geschlecht einer Person sei zwingend einzutragen, grundsätzlich komme es dabei auf das biologische Geschlecht an. Grund genug, sich zu fragen, ob die Rechte von Trans*, Inter* und nicht-binären Personen in Österreich in Gefahr sind.

Feeble Recognition of a Systematic Pushback Practice

In A.R.E. v. Greece and G.R.J. v. Greece, jointly published at the beginning of 2025, the European Court of Human Rights (ECtHR) finally acknowledged Greece’s long-standing systematic practice of violently pushing people back at its land and sea borders. While this is already remarkable, both rulings stand out for the Court’s thorough evidentiary analysis and new standards for proving pushbacks. However, the ECtHR failed to fully incorporate the context of a systematic practice, instead maintaining a high threshold for evidencing individual instances of pushbacks.

Diskriminierende Einstellung(sbedingungen)en

Das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg hat jüngst entschieden, dass eine Neutralitätsklausel im Arbeitsvertrag eine kopftuchtragende Muslimin diskriminiere, und dieser eine Entschädigung zugesprochen. Das Besondere an dem Fall: Das Gericht stellte eine Diskriminierung durch eine vertragliche Neutralitätsklausel fest, obwohl die Bewerberin die Stelle freiwillig nicht angetreten hatte. Das Urteil stärkt die Religionsfreiheit im AGG und zeigt, dass die EuGH-Entscheidungen zu betrieblichen Kopftuchverboten nuancierte Anwendung im jeweiligen mitgliedstaatlichen Kontext finden.

Bayerns Weg zur Förderung der Bundeswehr

Das im Juli 2024 verabschiedete Gesetz zur Förderung der Bundeswehr in Bayern greift in die Satzungsautonomie der Hochschulen ein, verbietet Zivilklauseln und verpflichtet zur Zusammenarbeit mit der Bundeswehr. Es basiert auf einer zweifelhaften Gesetzgebungskompetenz und untergräbt die verfassungsrechtlich verankerte Trennung von ziviler und militärischer Sphäre. Damit wirft es grundsätzliche Fragen zur Abgrenzung von Hochschul- und Verteidigungspolitik auf.

Memory Laws and Colonial Reckoning in France and the Netherlands

While France embraced the formal regulation of historical memory regarding its colonial past nearly two decades ago with the adoption of a law by its parliament, the Netherlands has opted for more symbolic recognition on behalf of the head of state. The essay argues that, despite neither approach being capable of fully satisfying all sides in the debate on how to frame colonialism in the present, the Dutch model is notably less problematic concerning its impact on freedom of expression, adherence to the rule of law, and the fit towards a unique set-up of the Kingdom of the Netherlands.

TikTok’s last dance

“On January 19, we still have President Biden, and on January 19, as I understand it, we shut down.” With these words—foreshadowing the final ban of the TikTok app in the United States—Noel Francisco, legal representative of ByteDance, the Chinese parent company, addressed the U.S. Supreme Court during oral arguments on January 10, 2025. One week later, the Supreme Court issued its ruling: TikTok’s appeal was dismissed. The court’s reasoning merits examination, while the implications remain uncertain, particularly as a Trump executive order temporarily blocks the ban’s enforcement.

Merzens Machtspruch

Noch aus der Opposition kündigte Friedrich Merz an, am ersten Tag als Bundeskanzler zum Schutz der Deutschen vor den Gefahren ungeregelter Migration Grenzkontrollen per Richtlinienkompetenz anzuordnen. So geläufig die Rede von der Kanzlerdemokratie ist, so selten greifen Bundeskanzler explizit zum Instrument ihrer sogenannten Richtlinienkompetenz. Löst man sich von der Frage, wie Merz’ Vorhaben in der Sache zu bewerten ist, bleibt die Frage nach der Form des (angekündigten) Bestimmens auf der Grundlage des Art. 65 S. 1 GG – einmal als juristische Kompetenz, einmal als politische Geste.

Keine Kontrolle ohne Kenntnis

Im Zusammenhang mit dem Protest gegen den Bundesparteitag der AfD in Riesa steht der Vorwurf im Raum, dass ein Polizist den sächsischen Landtagsabgeordneten Nam Duy Nguyen bewusstlos geschlagen hat. Der konkrete Vorfall wirft auch die Frage auf, welche Rechtsstellung speziell Abgeordneten als „parlamentarischen Beobachter:innen“ auf Versammlungen zukommt. Obwohl dieses Phänomen seit Jahren zur gelebten Protestkultur gehört, findet sich der Begriff bis heute in keinem Versammlungsgesetz.