Für ein diskriminierungsfreies neues Abtreibungsrecht

Die Diskussion um ein neues Abtreibungsrecht hat durch einen fraktionsübergreifenden Gesetzentwurf neue Dynamik gewonnen. Eine kontroverse Frage beantwortet der Entwurf allerdings nicht final: Ist es zulässig, einen gesonderten Erlaubnistatbestand für sogenannte embryopathische Abtreibungen aufzunehmen, also die Abtreibungsmöglichkeiten zu erweitern, wenn bei dem Fötus/Embryo eine potenzielle Behinderung festgestellt wird? Dieser Beitrag argumentiert, dass jedenfalls die Aufnahme einer eigenständigen embryopathischen Indikation mit völker- und verfassungsrechtlichen Wertungen unvereinbar ist.

Godly Constitution and Divine Enlightenment

God is not dead, at least not in Indonesia. Belief in God is not only fervent across the population, but also exalted as part of the constitutional identity of the state itself. On 3 January 2025, the Indonesian Constitutional Court issued a judgment concerning the rights of non-believers in Indonesia. The Court essentially ruled that there is ‘no room’ for the freedom to be irreligious in Indonesia. Most notably, the Court has declared that the 1945 Indonesian Constitution is a ‘Godly Constitution’, and therefore all laws must always be ‘illuminated by divine enlightenment’. The judgment represents an unusual form of constitutional theocracy, which is inherently syncretic and claims to represent the collective wisdom of all recognised religions of Indonesia.

Miller II, Part II?

Earlier this week, Canadian Prime Minister Justin Trudeau announced that he would resign as Prime Minister once a new Liberal leader was selected. He also revealed that he had advised the Governor General to prorogue Parliament and that she had granted the request, with Parliament set to return on March 24. Following the Prime Minister’s announcement, a judicial review application was filed in Federal Court challenging the prorogation. In this blog post, I analyse what we know about the legal challenge so far.

Im Sog der Bürokratierhetorik

Lieferketten- und Nachhaltigkeitsregulierung sind auf bestem Wege, zentrale Wahlkampfthemen zu werden. Als eine der ersten Gesetzesinitiativen nach dem Bruch der Ampelkoalition brachte die FDP einen Entwurf zur Aufhebung des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG) ein und prangert darin „teure Lieferkettenbürokratie“ an, die sinnbildlich für einen Ansatz der „gesinnungsethischen Politik“ stehe und keine spürbaren Verbesserungen entlang der Lieferkette bringe. Der Entwurf befindet sich derzeit gemeinsam mit einer parallelen Initiative der CDU/CSU-Fraktion in der Ausschussberatung. Er steht exemplarisch dafür, wie ‚Bürokratie‘ zu einem politischen Schlüsselbegriff hinter dem Backlash gegen den Green Deal wird.

Policing the Police

Menschen, die polizeiliches Handeln filmen, sind deswegen immer wieder strafrechtlicher Verfolgung ausgesetzt. Der Artikel analysiert die rechtliche Unsicherheit im Zusammenhang mit § 201 StGB, der Tonaufnahmen ohne Zustimmung unter Strafe stellt, und beschreibt die potentiell einschüchternde Wirkung dieser Praxis auf Bürger*innen und Journalist*innen. Grund- und menschenrechtliche Überlegungen legen nahe, dass solche Aufnahmen straffrei gestellt werden sollten, um rechtsstaatliche Kontrolle und Transparenz polizeilichen Handelns zu gewährleisten.

Das neue Sonderstraftribunal für Gambia

Am 15. Dezember 2024 wurde auf der 66. ordentlichen Sitzung der Behörde der Staatsoberhäupter der Wirtschaftsgemeinschaft der westafrikanischen Staaten (ECOWAS) die Einrichtung eines Sonderstraftribunals zur Verfolgung von Menschenrechtsverletzungen und völkerrechtlichen Straftaten während der Diktatur von Yahya Jammeh beschlossen. In dem Ersuchen wurde die ECOWAS um Unterstützung bei der Errichtung eines Straftribunals gebeten, das nationale und internationale Standards bei der Strafverfolgung inkorporieren sollte. Für die Aufarbeitung von Diktaturen in Westafrika stellt der Beschluss einen Meilenstein dar.

Wer ist »Wir« und wer darf (es) bleiben?

Friedrich Merz forderte jüngst die Möglichkeit der Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit, jedenfalls für diejenigen deutschen Staatsbürger, die nach ihrer Einbürgerung zwei Mal straffällig geworden sind. Merz‘ Begründung, „Wir holen uns damit zusätzliche Probleme ins Land“ rückt abermals die Frage nach der Zugehörigkeit zum Staatsvolk in das Zentrum der politischen Aufmerksamkeit. Wer nämlich die Anforderungen eines Einbürgerungsverfahrens erfüllt, wird nicht „ins Land geholt“, sondern lebt bereits seit mehreren Jahren in Deutschland.

How the EU Commission Backs up Pushbacks at the EU-Belarussian Border

In December 2024, the European Commission issued a communication to the European Parliament and the Council discussing the current situation of so-called ‘hybrid threats’ at the EU-Belarussian border. With the goal of stopping irregular arrivals of migrants and its facilitation by Belarus and Russia, the EU Commission outlines how EU primary law, namely Art. 72 TFEU, could be utilized by Member States to circumvent the Common European Asylum System (CEAS) and curtail the protection afforded by fundamental rights for migrants. By advising member states to make use of this legal pathway for the current situation at the EU-Belarussian border, the EU Commission indirectly justifies the current pushback practices from Poland, Lithuania and Latvia.