Beschneidungs-Urteil: Juristisch und rechtsethisch fragwürdig

Ist die religiös motivierte Beschneidung eines minderjährigen Jungen als Körperverletzung strafbar? Das Landgericht Köln hat die Frage in einer Entscheidung vom Mai 2012 bejaht (Az. 151 Ns 169/11). Erst Ende Juni wurde die Entscheidung von einer breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen. In der jüdischen Welt sorgt die Entscheidung für allerlei Irritationen. Folgt man dem Urteil, droht den in Deutschland lebenden Juden strafrechtliche Verfolgung, wenn sie der biblischen Tradition entsprechend Jungen acht Tage nach der Geburt beschneiden (Brit Mila). Die Zirkumzision ist im Judentum nicht irgendein randständiges Brauchtum, sondern für viele Juden ein wesentlicher Bestandteil jüdischer Identität . Die Brit Mila als Aufnahmeritual ... continue reading

Das Beschneidungs-Urteil aus Köln und die Frage Wozu?

Eigentlich staunt man fast, dass in der ganzen aufgeheizten und -gehetzten Atmosphäre um den Islam das Thema Beschneidung erst jetzt so richtig knallt. Wir hatten Schleier und Burka, wir hatten Schächtung, wir hatten das Bilderverbot. Aber die Vorhaut in den Mittelpunkt des christlich-abendländischen Kulturkampfes zu stellen, hat sich bisher noch niemand so recht getraut. Ausgerechnet in Köln, der Stadt der rotnasigen Leeve-un-leeve-losse-Mentalität, ist es jetzt passiert, schon wieder dort, müsste man nach Moscheenstreit und „Pro Köln“ eigentlich sagen: Das Landgericht Köln findet, kleinen Jungen aus muslimischen oder jüdischen Familien ihre Vorhaut wegzuoperieren, sei Körperverletzung und strafbar. Was juristisch von diesem ... continue reading

Rescue Package for Fundamental Rights: Comments by MICHAELA HAILBRONNER

The Daniel Thym and post). It thus constitutes a significant risk for the CJEU to take if it wants to preserve its authority. The bigger and more important the concerned country is, the less likely it is that the CJEU will take this risk. This necessary inconsistency in its application will lead to accusations of hypocrisy and further add to national outrage. It is also a mark against the Heidelberg-proposal that is not coincidentally made by German scholars who may justifiably feel safe from intervention of the CJEU. The best situation for the CJEU to risk an application of Reverse-Solange ... continue reading

Rettungsschirm für Grundrechte: Anmerkungen von MATTIAS KUMM

Ungarns Ministerpräsident Victor Orban und die von ihm kontrollierte Regierungspartei Fidesz sind seit der letzten Parlamentswahl 2010, bei der sie 53% der Wählerstimmen aber 68% der Sitze im Parlament auf sich vereinen konnten, dabei, das ungarische Verfassungssystem neu auszurichten. Dabei etabliert die Regierungspartei die Kontrolle über die Gerichte und das Justizsystem, die Medien und das Wahlsystem und erlässt zudem Regeln, die sicherstellen, dass auch bei veränderten Mehrheiten in der Zukunft die politischen Entscheidungen der Regierung nicht rückgängig gemacht werden können (Jan-Werner Müller und Kim Lane Scheppele haben dazu überzeugende Beschreibungen geliefert). Diese Hinwendung zu einem autoritären Nationalismus sollte, wo immer ... continue reading

Rescue Package for Fundamental Rights: Further Comments from PETER LINDSETH

It is a tribute to the thoughtfulness of the Heidelberg proposal that it has stimulated such a provocative exchange of views so far. It is quite obvious that, regardless of one’s position vis-à-vis the merits of ›reverse Solange‹, there is widely shared concern regarding the evolution of the Hungarian regime. Therefore, at least on an instrumental level, the debate is primarily over the proper balance between judicial and political approaches in challenging that evolution, a debate that the Heidelberg proposal has stimulated quite nicely. But on a deeper level—one of principle—the debate has been over the character of European integration ... continue reading

Rescue Package for Fundamental Rights: Comments by WOJCIECH SADURSKI

The Hungarian debacle is both a challenge and an opportunity for the EU. It is a challenge, because for the first time the EU faces the situation of one of its member states so blatantly and clearly violating certain principles of democracy and human rights protection, taken for granted as part of the moral values upon which the EU is built. (The first time, because the »Haider affair«, often invoked in this context, cannot be seen as a precedent, for reasons mentioned below.) But it is also an opportunity. An opportunity for the EU to demonstrate that it takes its ... continue reading