Articles for category: Europa

The Consensus Fights Back: European First Principles Against the Rule of Law Crisis (part 1)

The referral to the Court of Justice by the Irish judge that questions how the capture of the Polish judiciary affects her duties under the European Arrest Warrant regime has dramatically changed the landscape of the European rule of law crisis. We are witnessing a switch from the classic paradigm of EU law of «judges asking judges» (dialogue via preliminary rulings) to a more demanding « judges monitoring the judges ».

Der Fall Puigdemont – ein europäisches Problem!

Ist die Auslieferung von Carles Puigdemont tatsächlich allein der deutschen Justiz überantwortet? Zweifel sind angebracht. Denn blickt man genauer auf den EU-Rahmenbeschluss zum Europäischen Haftbefehl, wird schnell deutlich: Es stellen sich eine Reihe europarechtlicher (Vor-)Fragen, zu deren Auslegung allein der Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) berufen ist.

A Love Letter from Strasbourg to the Turkish Constitutional Court

We can all breathe a sigh of relief: Turkey’s constitutional complaint mechanism is an effective domestic remedy. Said the European Court of Human Rights in its March 20th rulings, speaking for the first time on the issue of prolonged pre-trial detentions since the July 2016 coup attempt in Turkey. These judgments reflect the ECtHR’s continuing preoccupation with its docket crisis despite the rapid consolidation of authoritarian rule in Turkey.

Die Rechtsstaatlichkeitskrise vor Gericht: der Anfang vom Ende gegenseitigen Vertrauens

Die Rechtsstaatlichkeitskrise in Polen rückt zunehmend in den Fokus der Gerichte. Das gilt auch für den EuGH und die Gerichte anderer, auf den ersten Blick nicht direkt betroffener EU-Mitgliedstaaten. Eine Entscheidung des irischen High Courts vom 12. März 2018 zeigt die übergreifenden Folgen der „polnischen“ Rechtsstaatlichkeitskrise in bislang ungekannter Prägnanz auf. Die Botschaft lautet: Die Negation rechtsstaatlicher Grundsätze, wie sie derzeit in Polen zu beobachten ist, rüttelt an den Grundfesten der europäischen Rechtsgemeinschaft. Sie kann als solche auch außerhalb Polens nicht ignoriert werden.

Zugang zum Gericht für Folteropfer: Scheut Straßburg die Konsequenzen?

Können Folteropfer in einem Konventionsstaat eine zivilrechtliche Entschädigungsklage gegen einen Drittstaat einreichen, ohne dass der Fall einen direkten Zusammenhang mit dem betroffenen Konventionsstaat hat? Die Grosse Kammer des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) hat dies im Urteil Naït-Liman gegen die Schweiz vom 15. März 2018 verneint und damit einen Kammerentscheid aus dem Jahr 2016 bestätigt. Zum heutigen Zeitpunkt könne aus Artikel 6 der Europäischen Menschenrechtskonvention keine Verpflichtung abgeleitet werden, die Zuständigkeit für Entschädigungsklagen von Folteropfern gegen Drittstaaten zu bejahen.

Constitutional Rights First: The Italian Constitutional Court fine-tunes its „Europarechts­freundlichkeit“

Only a few days after the Court of Justice of the European Union buried the hatchet in the so-called Taricco saga, the Italian Constitutional Court issued a decision that may inaugurate the most significant shift of its jurisprudence in European affairs since 1984, when the Constitutional Court fully accepted the principle of primacy of EU law and blessed the disapplication of national legislation incompatible with EU law.

CJEU Opens the Door for the Commission to Reconsider Charges against Poland

In the Associação Sindical dos Juízes Portugueses judgment the Court of Justice of the European Union (CJEU) deemed that on the basis of Article 19(1) TEU it is competent to evaluate the guarantee of independence of judges if only they sit in a national court that may apply and interpret EU law. In light of this ruling, the European Commission in the infringement proceedings against Poland does not have to restrict itself to the slightly modified “Hungarian scenario” (hitherto preferred by it). It may instead once again analyse the scope of charges with regard to the Common Courts System Act (the CCS Act), and may even lodge a new complaint concerning i.a. the Act on the Supreme Court.

Todesstoß für autonome Investitionsschutzgerichte

Öffentliche Diskussionen sind kurzlebig: So schaute ganz Europa im Oktober 2016 gebannt auf das wallonische Regionalparlament, als dieses das CETA-Freihandelsabkommen mit Kanada zu blockieren drohte. Gegenwärtig besitzt der Freihandel auf unserem Kontinent mehr Freunde, was auch daran liegt, dass Donald Trump mit Schutzzöllen droht und wenig Europäer gerne dieselbe Politik verfolgen wie der US-Präsident. Mindestens ebenso wichtig wie Strafzölle auf europäischen Stahl oder amerikanischen Whisky bleibt freilich die Strukturfrage der Schiedsgerichtsbarkeit, die im Zentrum vieler Debatten um CETA und TTIP steht. Hier dürfte das jüngste EuGH-Urteil im Achmea-Verfahren sehr viel weitreichendere Folgen haben, als dies die deutsche Öffentlichkeit bislang realisierte.