Articles for category: Regionen

Delegitimation durch Verfahren

Oft firmiert die Annahme, dass soziale Ungleichheit politisch umso umstrittener sei, je weiter die Angleichung zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen vorangeschritten ist, nach ihrem Entdecker als das Tocqueville-Paradox. Im Hinblick auf ein mögliches Verbotsverfahren gegen die AfD ließe sich weniger bildungsbürgerlich, aber durchaus treffend auf ein „Herr Tur Tur-Paradox“ verweisen. Ähnlich wie der Scheinriese aus dem Kinderbuch Michael Endes wirkt das Instrument des Parteiverbots aus der Entfernung sehr imposant – und schnurrt dann aber immer mehr zusammen, je besser sich die Eröffnung eines Verbotsverfahrens vor dem Bundesverfassungsgericht begründen ließe.

Zwischen Fluss, Meer und Strafbefehl

Macht sich strafbar, wer den Satz „from the river to the sea, Palestine will be free“ verwendet? In aller Regel nicht. Der Slogan ist vieldeutig und Gerichte müssen bei mehreren Deutungsmöglichkeiten wegen der Meinungsfreiheit genau begründen, warum allein die strafbare Interpretation plausibel sein soll. Er kennzeichnet auch nicht die Hamas, denn verschiedene Akteure verwenden ihn seit Jahrzenten bis heute.

Einerseits und Andererseits

Die derzeitige Diskussion um ein Verbot der AfD ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie sich die Wahrnehmung auch ganz grundlegender verfassungsrechtlicher Institute im Laufe der Zeit verändern kann. Bis in die siebziger und achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts war das Parteiverbot bei vielen geradezu verschrien; es galt zusammen mit den Notstandsgesetzen und dem Radikalenerlass als weiteres Repressionsinstrument eines autoritären Staates, als sichtbarer Beleg für dessen immer nur vorgeschobene Liberalität. Aber ob man den Antrag stellt oder nicht, ist eine schwierige Abwägungsentscheidung, die man auch nicht dadurch unterlaufen kann, dass man sie zu einer rechtlichen erklärt oder sie in der Verfassung schon vorweggenommen sieht.

Inquiring into the Technicalities of EU Law

It may sound trivial, but I argue that the technicalities of EU law have been neglected and that an in-depth inquiry is lacking. To see why such an inquiry might be interesting, we must go beyond the traditional understanding of legal technicalities and see them as protagonists in their own right. We need to focus on lawyers’ knowledge practices and to inquire into the transformative power of legal technicalities.

A Critical Assessment of How We ›Speak‹ EU Law

Although EU law touches on several profound and complex ontologies of ways of living and being in the European polity, these meanings are usually not reflected in how lawyers and legal scholars ‘speak’ EU law. The reason for this is that EU law is formulated in a strikingly abstract and univocal way, leaving little room for an in-depth consideration of the different interpretations of the law by reference to the various values and conceptions of the individual and social institutions that it underlies.

The Janus-Faced Culture of EU Law

Can there be a cultural study of EU law? The notion of legal culture is notoriously tricky. It is both omnipresent and yet seemingly ungraspable. Can we nevertheless hope to dispel the mystery of legal culture, and seize this notion as an object of study? And can it provide a method to improve our understanding of EU law?

Das Ende des parlamentarischen Konsensprinzips?

Am Mittwoch verhandelte das Bundesverfassungsgericht zu zwei Organstreitverfahren der AfD-Bundestagsfraktion gegen den Bundestag und verschiedene Bundestagsausschüsse. Das erste Verfahren richtet sich gegen die Abwahl des Abgeordneten Stephan Brandner als Vorsitzenden des Rechtsausschusses in der vergangenen Legislaturperiode, das zweite Verfahren betrifft die „Nichtwahl“ der AfD-Kandidaten für den Vorsitz von Innenausschuss, Gesundheitsausschuss und Entwicklungsausschuss in der laufenden Legislaturperiode. Die mündliche Verhandlung verstärkte den Eindruck, dass bewährte Parlamentstraditionen, die auf konsensualem Zusammenwirken aller Fraktionen basieren, mit dem Einzug der AfD in den Bundestag kaum noch zukunftsfähig sind.

Studying Migrations and Borders from a Pluridisciplinary Perspective

I chose for years to consider migrations and borders from a pluridisciplinary perspective. Such a pluridisciplinary approach reveals to be demanding: it needs both to be developed with discipline, and to be opened to wanderings. You have to accept to be confronted with personal controversies, to be faced with internal discourse on the method.

Europe’s Judicial Narratives

Through the representations of Europe that it conjures up and conveys, the European Court of Justice significantly influences the EU’s self-perceived identity. In that sense, it contributes to the shaping of a European polity, i.e. a European political community united by shared representations about its history and identity.