Articles for category: Regionen

Wahlen in der wehrhaften Plattform-Demokratie

Anlässlich der 21. Bundestagswahl unterzogen Deutschland und die EU-Kommission die größten Online-Plattformen einem „Stresstest“ – Ergebnis: Schulnote „ausreichend“. Mittel- und langfristig hat der Digital Services Act das Potenzial, die Integrität von Wahlkampfdiskursen zu schützen. Stand jetzt sieht das leider anders aus.

Männerlastig, Frauen lästig?

Der neue Bundestag wird noch männerlastiger sein wird als zuvor. Ein Grund dafür ist die prognostizierte politische Verschiebung nach rechts: CDU/CSU und AfD, die traditionell einen niedrigen Frauenanteil unter ihren Kandidierenden haben, werden voraussichtlich Sitze hinzugewinnen – während Parteien mit mehr Frauen tendenziell verlieren werden. Aber selbst bei gleichbleibenden Machtverhältnissen würde das neue Wahlrecht bestehende Ungleichheiten verschärfen. Deshalb ist es gerade jetzt besonders wichtig, einen gesellschaftlichen Diskurs zu führen, wie auch die Gesetzgebung Parität stärken kann.

Wahllos im Ausland

Am kommenden Sonntag findet die vorgezogene Bundestagswahl statt. Eine bedeutende Wahl, bei der schon wenige Stimmen einen entscheidenden Unterschied machen könnten. Doch zahlreiche Stimmzettel von im Ausland lebenden Deutschen werden nicht rechtzeitig ankommen. Ebenso wie Berichte über frustrierte Wählerinnen und Wähler kursieren inzwischen vermehrt Vorschläge, wie sich dieser Zustand beheben ließe. Diskutiert wird dabei unter anderem die Einführung von Auslandswahlkreisen. Auslandswahlkreise lösen jedoch keineswegs alle Probleme und schaffen zahlreiche neue. Die Teilnahme an Wahlen von im Ausland lebenden Deutschen kann und muss verbessert werden, doch hierfür ist an anderer Stelle anzusetzen.

Criminalizing Knowledge

When does sharing information become an act of disloyalty to the state? Three bills advancing through Israel’s Knesset aim to answer this question decisively: any cooperation with international justice mechanisms, particularly the International Criminal Court (ICC), would constitute a betrayal of the state punishable by up to life imprisonment. This legislative package marks a dramatic shift from merely opposing international criminal jurisdiction to criminalizing the very act of documentation and information-sharing about potential human rights violations. For Israeli scholars researching international humanitarian law, the message is clear: our academic work could become a criminal offense if it finds its way to international courts.

Viel Heu und viel Stroh

Im aktuellen Bundestagswahlkampf regnet es private Großspenden. Während insbesondere CDU, FDP und AfD auf Spendenrekorde zusteuern, steht die AfD nun wegen einer fast 2,35 Millionen Euro schweren Spende aus Österreich im Zentrum eines neuen Skandals. Besonders alarmierend ist jedoch der allgemeine Transparenzverlust in der Parteienfinanzierung, der bereits zu einem Abrutschen Deutschlands im Korruptionsindex von Transparency International geführt hat. Ein Blick über den Atlantik beweist, dass sich dieses Problem nicht von selbst lösen wird und ein rasches Einschreiten dringend geboten ist.

A New Step in the Greening of the Right to Life

In Cannavacciuolo and Others v. Italy, the European Court of Human Rights unanimously found a violation of Article 2 ECHR on account of the State’s failure to protect the right to life of residents in an area of Southern Italy known as the “Land of Fires” (Terra dei Fuochi). This is the first judgment linking a violation of the right to life to the prolonged exposure to pollutants released into the environment. The decisive element for the applicability of the right to life has been a shift in the Court’s approach to the causal link requirement that triggers a violation of Article 2. The Cannavacciuolo judgment should therefore be seen as a turning point for climate and environmental justice.

EU Citizenship Should Not Be Sold

The CJEU is soon to decide upon Malta’s citizenship for investment scheme. Upholding the Commission’s challenge would not deprive Malta of power to confer Maltese citizenship. Instead, it would build on settled jurisprudence that EU law constrains national rules conferring EU citizenship and follow the longstanding direction of travel of the Court’s jurisprudence, which has already overcome objections that it is too radical.

The Binoculars at the Borders of Europe

A mere two months into 2025, the Court of Justice of the European Union (CJEU) and the European Court of Human Rights (ECtHR) have dealt with no less than 7 cases concerning various types of alleged pushbacks at Europe’s borders. In each of these cases rules of evidence were and remain at the forefront of effective human rights protection. This contribution highlights how the defending duty-bearing parties sought to interpret the applicable rules of evidence to evade responsibility. It further argues that failure by the Courts to meaningfully interpret these rules in light of current-day realities and the principle of effectiveness could risk eroding the absolute human rights at the core of the European legal order.

Ein Wendepunkt für die globale Korruptionsbekämpfung

In der Kaskade aufsehenerregender Dekrete von US-Präsident Donald Trump sticht der letzte Woche verkündete Schritt, die Anwendung des Gesetzes gegen Auslandsbestechung für sechs Monate auszusetzen, auf den ersten Blick nicht heraus. Näher besehen könnte diese Executive Order aber die globale Antikorruptionspolitik unterminieren und die wirtschafts- und sicherheitspolitischen Interessen Europas nachhaltig schädigen. Zur Debatte steht mit dem Foreign Corrupt Practices Act (FCPA) nämlich jenes Gesetz, mit dem die transnationale und globale Korruptionsbekämpfung im Jahr 1977 ihren Lauf nahm.