Articles for category: Regionen

Godly Constitution and Divine Enlightenment

God is not dead, at least not in Indonesia. Belief in God is not only fervent across the population, but also exalted as part of the constitutional identity of the state itself. On 3 January 2025, the Indonesian Constitutional Court issued a judgment concerning the rights of non-believers in Indonesia. The Court essentially ruled that there is ‘no room’ for the freedom to be irreligious in Indonesia. Most notably, the Court has declared that the 1945 Indonesian Constitution is a ‘Godly Constitution’, and therefore all laws must always be ‘illuminated by divine enlightenment’. The judgment represents an unusual form of constitutional theocracy, which is inherently syncretic and claims to represent the collective wisdom of all recognised religions of Indonesia.

Im Sog der Bürokratierhetorik

Lieferketten- und Nachhaltigkeitsregulierung sind auf bestem Wege, zentrale Wahlkampfthemen zu werden. Als eine der ersten Gesetzesinitiativen nach dem Bruch der Ampelkoalition brachte die FDP einen Entwurf zur Aufhebung des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG) ein und prangert darin „teure Lieferkettenbürokratie“ an, die sinnbildlich für einen Ansatz der „gesinnungsethischen Politik“ stehe und keine spürbaren Verbesserungen entlang der Lieferkette bringe. Der Entwurf befindet sich derzeit gemeinsam mit einer parallelen Initiative der CDU/CSU-Fraktion in der Ausschussberatung. Er steht exemplarisch dafür, wie ‚Bürokratie‘ zu einem politischen Schlüsselbegriff hinter dem Backlash gegen den Green Deal wird.

Policing the Police

Menschen, die polizeiliches Handeln filmen, sind deswegen immer wieder strafrechtlicher Verfolgung ausgesetzt. Der Artikel analysiert die rechtliche Unsicherheit im Zusammenhang mit § 201 StGB, der Tonaufnahmen ohne Zustimmung unter Strafe stellt, und beschreibt die potentiell einschüchternde Wirkung dieser Praxis auf Bürger*innen und Journalist*innen. Grund- und menschenrechtliche Überlegungen legen nahe, dass solche Aufnahmen straffrei gestellt werden sollten, um rechtsstaatliche Kontrolle und Transparenz polizeilichen Handelns zu gewährleisten.

Das neue Sonderstraftribunal für Gambia

Am 15. Dezember 2024 wurde auf der 66. ordentlichen Sitzung der Behörde der Staatsoberhäupter der Wirtschaftsgemeinschaft der westafrikanischen Staaten (ECOWAS) die Einrichtung eines Sonderstraftribunals zur Verfolgung von Menschenrechtsverletzungen und völkerrechtlichen Straftaten während der Diktatur von Yahya Jammeh beschlossen. In dem Ersuchen wurde die ECOWAS um Unterstützung bei der Errichtung eines Straftribunals gebeten, das nationale und internationale Standards bei der Strafverfolgung inkorporieren sollte. Für die Aufarbeitung von Diktaturen in Westafrika stellt der Beschluss einen Meilenstein dar.

Wer ist »Wir« und wer darf (es) bleiben?

Friedrich Merz forderte jüngst die Möglichkeit der Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit, jedenfalls für diejenigen deutschen Staatsbürger, die nach ihrer Einbürgerung zwei Mal straffällig geworden sind. Merz‘ Begründung, „Wir holen uns damit zusätzliche Probleme ins Land“ rückt abermals die Frage nach der Zugehörigkeit zum Staatsvolk in das Zentrum der politischen Aufmerksamkeit. Wer nämlich die Anforderungen eines Einbürgerungsverfahrens erfüllt, wird nicht „ins Land geholt“, sondern lebt bereits seit mehreren Jahren in Deutschland.

How the EU Commission Backs up Pushbacks at the EU-Belarussian Border

In December 2024, the European Commission issued a communication to the European Parliament and the Council discussing the current situation of so-called ‘hybrid threats’ at the EU-Belarussian border. With the goal of stopping irregular arrivals of migrants and its facilitation by Belarus and Russia, the EU Commission outlines how EU primary law, namely Art. 72 TFEU, could be utilized by Member States to circumvent the Common European Asylum System (CEAS) and curtail the protection afforded by fundamental rights for migrants. By advising member states to make use of this legal pathway for the current situation at the EU-Belarussian border, the EU Commission indirectly justifies the current pushback practices from Poland, Lithuania and Latvia.

Territorial Concessions to the Aggressor

How can Russia’s war of aggression against Ukraine be brought to an end? With recent proposals by the Trump transition team, a possible peace treaty with Ukraine and Russia is gaining renewed attention. Gregory Fox predicts that “territorial transfers […] would likely be at the heart of any agreement”. The rule on coerced treaties (Art. 52 VCLT) poses a major legal obstacle to territorial concessions to an aggressor state. Under that rule, a treaty is void if its conclusion has been procured by an unlawful threat or use of force. That notwithstanding, a treaty invalid under Art. 52 VCLT can be validated by the UN Security Council (UNSC), a solution that is also compatible with jus cogens.

Can the Rule of Law Be Restored by Violating Its Principles?

This post concerns one of the crucial problems of transitional constitutionalism after a period of democratic and rule of law backsliding: how to restore the principle of the rule of law? Are there circumstances when, during this restoration, the principles of the rule of law are allowed to be violated? For instance, when the violation of the rule of law was an important tool to exercise arbitrary power, as was the case before the 1989-1990 East-Central European democratic transitions?

Die Idee der Staatsräson im neuesten deutschen Recht

Wer sich von rechtszerstörenden Fiktionen heute ein Bild machen will, lese das kürzlich veröffentlichte und inzwischen rechtskräftige Urteil der 9. Kammer des Verwaltungsgerichts Regensburg vom 7. Oktober 2024. Es ist eine der ersten bekannt gewordenen gerichtlichen Entscheidungen, die zu der im Juni 2024 in Kraft getretenen Reform des Staatsangehörigkeitsrechts ergangen sind.

Das Dunkelfeld aufhellen

Algorithmische Lösungen zur Aufdeckung potenzieller Geldwäschefälle werden in Finanzinstituten und Banken bereits großflächig eingesetzt. Der EU-Gesetzgeber hat jedoch die Chance verpasst, solche KI-Systeme als hochriskant i.S.d. EU-KI-Verordnung einzustufen und damit einer besonders strengen Regulierung nach Art. 8 ff. EU-KI-Verordnung zu unterstellen. In der Geldwäschebekämpfung ist der Einsatz von KI mit gravierenden Risiken automatisierter Fehlentscheidungen verbunden, die durch die Privatisierung des geldwäscherechtlichen Verdachtswesens zu massiven Grundrechtsumgehungen führen können. Eine staatliche Einhegung wäre daher wünschenswert (gewesen).