Articles for category: Regionen

Verfassungsfeind in Vorbereitung

Nachdem bereits der Fall „Rechtsreferendar III. Weg“ für Diskussionen um Zugangsvoraussetzungen zum juristischen Vorbereitungsdienst gesorgt hat, tritt mit dem kürzlich ergangenen Beschluss des OVG Berlin-Brandenburg eine weitere gerichtliche Entscheidung mit eigenen Argumentationsansätzen auf den Plan. Das Gericht hatte sich mit der relevanten Frage zu beschäftigen, ob einem Kandidaten die Aufnahme in den juristischen Vorbereitungsdienst verwehrt werden kann, wenn er die Verfassungsordnung aktiv bekämpft, ohne sich dabei strafbar zu machen. Der Beschluss offenbart erneut die unklare und uneinheitliche Rechtsprechungslinie.

The Abrogation of Asylum

Migration and border control are amongst the most pressing topics throughout the regions in this global super-election year. How to tackle this issue seems to be the million-dollar question and the urgency of this topic seemingly has pushed President Joe Biden – who previously pledged to reverse restrictive migration policies – to drastic measures. After failed attempts to pass a bipartisan immigration deal earlier this year, Biden is now in a race with Republican candidate Donald Trump to show a “tough stand” on the matter while ignoring core refugee law principles and arguably with little lasting effects on numbers of arrivals at the southern border.

Warum das KlimaSeniorinnen-Urteil nicht undemokratisch ist

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat im Fall „KlimaSeniorinnen" ein bemerkenswertes Urteil zugunsten einer lebenswerten Zukunft für alle gefällt. Vor allem in der Schweiz stieß das Urteil jedoch auf scharfe Kritik. Die Schweizer Volkspartei bezeichnete den Entscheid als „dreiste Einmischung fremder Richter", der Aargauer Zeitung spricht von einer „Aushebelung der Demokratie". Der Entscheid des EGMR – zumindest nach Schweizer Verständnis – wirft also zentrale Fragen der Gewaltenteilung und der Rolle der Justiz bei der Beurteilung von Menschenrechten auf.

Paradigmenwechsel im Organspenderecht?

Da sich die Hoffnungen auf eine Steigerung der Zahl der Organspenden nicht ansatzweise erfüllt haben, hat die Debatte um die Widerspruchsregelung wieder an Fahrt aufgenommen. Abgeordnete des Deutschen Bundestages haben heute einen interfraktionellen Gruppenantrag zur Einführung der Widerspruchslösung im Transplantationsgesetz vorgestellt. Dem Bundesrat liegt ein Gesetzentwurf mit derselben Zielrichtung vor. Die zugrunde liegende Regelung stellt einen Paradigmenwechsel dar: Die postmortale Organentnahme ist nicht erst dann zulässig, wenn die betroffene Person oder ein naher Angehöriger zugestimmt hat, sondern bereits dann, wenn kein Widerspruch der betroffenen Person vorliegt und auch kein entgegenstehender Wille besteht, über den die Angehörigen zu befragen sind.

Toward a More Rigorous Mechanism for Resolving Legislative Conflicts

In December 2023, China’s national legislature, the Standing Committee of the National People’s Congress (NPCSC), adopted the Decision on Improving and Strengthening the System of Recording and Review, a major bill aimed at reforming “recording and review” (R&R)—China’s system of parallel processes for resolving legislative conflicts. Under R&R, an enacting body—that is, a governmental body authorized to issue documents of a legislative nature—must file its legislation with the designated reviewing body for subsequent review. Some would give more teeth to the rectification process so that enacting bodies do not abuse the latitude they enjoy. How the new measures would work in practice and whether they would achieve the intended goals, however, remain to be seen.

Rule of Law Chickens Coming Home to Roost

Ongoing assaults by Viktor Orbán’s Fidesz administration on the rule of law in Hungary have produced manifold reactions, generally of depressingly limited effectiveness. Last week, on 13 June 2024, in Case C-123/22 European Commission v Hungary, the Court ordered a record lump sum payment of €200,000,000 and a penalty payment of €1,000,000 per day of delay until an earlier 2020 Court ruling is complied with. Hungary thus received a stinging reminder that the Court of Justice is not toothless when it comes to the rule of law.

Downstream Emissions as Climate Impacts

In a 3-2 majority, the UK Supreme Court delivered a landmark ruling today, significantly impacting the consideration of climate impacts in the oil and gas licensing process. While the Government’s approach so far has been to only consider exploration and production emissions, the Court’s decision establishes that emissions resulting from burning the produced oil and gas (regardless of where it occurs) have to also be considered. The ruling is significant as it is the first highest court decision to adopt this interpretation on climate impacts of fossil fuel production. It will no doubt have a knock-on effect on at least three other cases pending before lower courts in the UK, and potentially affect cases both within and outside the European Union.

Ist der Green Deal der EU nach der Wahl des Europaparlaments verzichtbar?

Im Zuge der Wahlen zum Europäischen Parlament (EP) im Juni 2024 ist der Europäische Green Deal (EGD) in die Defensive geraten. Die Stimmungslage, die noch im Umfeld der Wahlen von 2019 herrschte, hat sich verändert. Damals wurde das Ergebnis der Wahlen als Plädoyer der Unionsbürger für eine ambitioniertere Klima- und Umweltpolitik verstanden und aufgegriffen. Aktuell sind andere berechtigte politische Anliegen wie Migration, Sicherheit und wirtschaftliche Stabilität in den Vordergrund gerückt. Nicht verändert hat sich demgegenüber die Klimalage. Nach wie vor drohen die von der Wissenschaft ermittelten planetaren Belastungsgrenzen überschritten zu werden, die nicht zuletzt durch das im internationalen Übereinkommen von Paris rechtsverbindlich verankerte 1,5 bis 2 Grad-Ziel verstärkt politische Relevanz entfaltet haben.