Articles for category: Regionen

Delegitimizing by Procrastinating

In countries where populist movements have garnered significant electoral support, their self-proclaimed role as the sole representatives of the true will of a unified people has led them to assert that their democratic legitimacy surpasses the technocratic authority of constitutional courts. The requirement of supermajorities in the election of Italy's constitutional judges has, in combination with a changed political landscape, led to political deadlocks, entailing the risk of jeopardizing the Court’s operability and partisanship-based appointments.

Zur Debatte über Abschiebungen nach Afghanistan und Syrien

Bundeskanzler Olaf Scholz hat sich dafür ausgesprochen, Schwerstkriminelle und Gefährder auch nach Afghanistan und Syrien abzuschieben. Die öffentliche Debatte unterstellt dabei bisweilen, dass der Kanzler, die Innenministerin oder das Außenministerium eigenständig darüber entscheiden könnten, ob ein Land als generell sicher oder unsicher gilt. Je nach Ergebnis erhalten dann entweder alle Schutz oder Abschiebungen sind plötzlich möglich. Das stimmt nicht, denn das Asylrecht fragt nach Situation jeder Einzelperson. Statt eines „Alles oder nichts“ gilt also „Es kommt darauf an“. Das klingt unentschieden, ist es jedoch nicht.

Bezahlbare Miete statt Rendite

Die Bundesregierung hat am vergangenen Mittwoch beschlossen, die im Koalitionsvertrag vereinbarte Wohngemeinnützigkeit wieder einzuführen. Konkret soll mit dem Jahressteuergesetz 2024 auch die „Förderung wohngemeinnütziger Zwecke“ in § 52 AO verankert werden, der die gemeinnützigen Zwecke im Sinne des Steuerrechts listet. In der Folge können Wohnungsunternehmen, die bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellen, von Steuererleichterungen profitieren. Der vorherrschenden Logik einer auf den Marktausgleich orientierten Wohnungspolitik wird hiermit ein alternatives Paradigma gegenübergestellt: Nunmehr soll sich nicht mehr nur die Profitorientierung lohnen, sondern auch die gemeinwohlorientierte Wohnraumbewirtschaftung belohnt werden.

Die Moral und die Grundmandatsklausel

Das neue Wahlgesetz, das im März 2023 beschlossen wurde, hat viel Kritik auf sich gezogen. Insbesondere die dort implementierte Abschaffung der Grundmandatsklausel findet eine erbitterte Gegnerschaft. Gregor Gysi bezeichnete das Vorgehen der Ampel schlicht als „unmoralisch“. So fremdartig der Vorwurf der „Unmoral“ im Kontext einer verfassungsrechtlichen Debatte erst einmal zu sein scheint, so bringt er den Kern des weitverbreiteten Unbehagens am neuen Gesetz gut auf den Punkt. Denn nicht nur das Gesetz könnte „falsch“ sein, sondern einige Akteure könnten auch aus den „falschen“ Motiven gehandelt haben.

More than a Sink

The difference between treating the oceans as a mere sink versus protecting them as a vital part of the environment has important implications under international law. These implications come to the fore when considering the relationship between the UNCLOS on the one hand and the UNFCCC and its Paris Agreement on the other. While the latter treaties in no way legitimize pollution of the marine environment, their focus on oceans as sinks could be misinterpreted to deprive UNCLOS and the customary rules it codifies of a meaningful role in addressing climate change.

Why Climate Science Matters for International Law

The International Tribunal for the Law of the Sea (ITLOS) issued an advisory opinion on May 21, 2024 in response to a request submitted by the Commission of Small Island States on Climate Change and International Law (COSIS). While various aspects of the advisory opinion have already been discussed in this joint blog symposium, this post focuses on a feature of the opinion that has so far received little emphasis: the strong role of science. The scientific evidence presented by the tribunal provides a solid basis for its conclusions on State obligations to prevent, reduce, and control climate pollution.

Militant Public Administration

An unprecedented scandal surrounding a Polish governmental fund established to aid crime victims highlights the role of civil servants in authoritarian state capture. The revelations surrounding the Justice Fund show broad levels of bureaucratic acquiescence with shocking abuses of power, and only belated effort to document and report these abuses. The Polish case shows it is time for a democratically militant public administration – the new vision of civil service better prepared to fend off authoritarian encroachment from elected politicians.

Nur vom Volk abhängig?

Das Schweizer Parlament wehrt sich nach wie vor gegen weitergehende Transparenzvorschriften, die seine eigene Tätigkeit betreffen. Dieses Mal geht es um die Nebeneinkünfte der Parlamentsmitglieder. Wie auch im Zusammenhang mit anderen verwandten Geschäften – man denke etwa an die Transparenzinitiative – beharrt der Ständerat auf den Besonderheiten des Milizparlaments sowie auf dem Schutz der Privatsphäre. Wie der vorliegende Beitrag zeigt, entfernt sich das Parlament mit dieser Argumentation immer mehr von den Wählerinteressen – und damit von seinem verfassungsrechtlichen Auftrag, wonach es nur vom Volk abhängig sein darf.

From Strasbourg to Luxembourg?

KlimaSeniorinnen has established a remedy which, in EU law, is not easy to locate and may actually be unavailable in light of restrictive CJEU case law.  Whatever one’s views on this restrictive case law, it is a fact that the EU Charter of Fundamental Rights now obliges the CJEU to do as much as it can to accommodate the KlimaSeniorinnen remedy and to interpret the relevant TFEU provisions flexibly.  One may assume that, sooner or later, the CJEU will be confronted with a KlimaSeniorinnen claim.  If the CJEU were to declare such a claim inadmissible, it will put itself in the corner of courts refusing to engage with climate change policies.  That would be unfortunate for a court that has long been at the forefront of legal progress.

Zur Gestalt Europas

Die Debatte über die Finalität der Europäischen Union ist in eine Sackgasse geraten. Die letzte Vertragsrevision liegt bald 15 Jahre zurück, ernsthafte politische Initiativen sind nicht erkennbar oder nicht Erfolg versprechend. Die Konferenz zur Zukunft Europas präsentierte Mitte 2022 ihre Ergebnisse, vermutlich dürften aber auch diese alsbald verpuffen. Wir tippeln auf der Stelle, seit dem Vertrag von Lissabon, eigentlich aber schon seit dem Scheitern des Verfassungsvertrages scheint die Debatte festgefahren. Anstatt über die weitere Entwicklung der Integration zu sprechen, scheint es eher darum zu gehen, das Bestehende zu bewahren und zu verhindern, dass es zu signifikanten Integrationsrückständen kommt.