Hercules or Sisyphus? On the legacy of statutory lawlessness in post-autocratic Poland
A constitutional responsibility.
A constitutional responsibility.
Eine verfassungsrechtliche Verantwortung.
Wenn über die wehrhafte Demokratie gestritten wird, ist der Ruf nach einer starken Zivilgesellschaft nicht fern. „Verfassungsschutz von unten“, „wehrhafte Demokratie light“, „ziviler Verfassungsschutz“, „intellectual militancy“ oder „konfliktfähige Zivilgesellschaft“ lauten die Forderungen. Fast alle Diskussionsbeiträge der laufenden Debatte haben gemeinsam, dass sie die Zivilgesellschaft in die Pflicht nehmen. Dabei ist es der Staat, der primär in die Verantwortung genommen werden muss. Sowohl Verfassungsrecht als auch Unionsrecht konkretisieren eine staatliche Pflicht zum Demokratieschutz. Entsprechend ist es staatliche Aufgabe, zivilgesellschaftliche Räume zu stärken und zu schützen.
For almost a decade now, the European Union (EU) has been struggling with the erosion of the rule of law in some of its Member States. The IEP explored the various pillars of the rule of law resilience, culminating in the recent RESILIO report. Unsurprisingly, the independent judiciary and effective public administration prove to be key for the functioning of the rule of law. To remain resilient, the rule of law needs a solid democratic political culture anchored in a robust civil society, independent media, and a sound public debate. Henceforth, a long-term investment in democracy is the best way to strengthen the resilience of the rule of law.
The Spanish amnesty for the Catalan independence movement is a victory for the rule of law, rather than a defeat. It is not an exemption from punishment otherwise due, but instead a reflection of the fact that the acts now amnestied should never have been subject to criminal prosecution in the first place. It is thus also a way for Spain to return to compliance with its obligations under European and international human rights law.
„Wehrhafte Demokratie“, „Grundrechtsverwirkung“ und „Parteiverbot“ klingt es dieser Tage durch Straßen, Foren und Medien. „Endlich“ möchte man meinen, schließlich zeigen Beispiele in Polen, Ungarn, Israel und den USA, welch bemerkenswert fragile Gebilde Demokratie und Rechtsstaat weltweit sind. Die Forderungen zum Schutz der Verfassung sind nicht länger nur Parolen. Stattdessen gibt es inzwischen konkrete Überlegungen, das Bundesverfassungsgericht besser zu schützen. Entsprechende Überlegungen dürfen allerdings nicht den Blick dafür verstellen, dass auch eine erfolgreiche Reform beileibe nicht alle Gefährdungen beseitigen würde.
Mit etwas zeitlichem Abstand werden die weitreichenden Folgen des Haushaltsurteils des Bundesverfassungsgerichtes sichtbar. Das Urteil zeigt die Gefahren der Verfassungsgerichtsbarkeit für die Demokratie, die wir trotz der positiven Wirkung dieser Institution für die Herrschaft des Rechts im Blick behalten sollten. Die Gestaltungsfreiheit und Innovationskraft des demokratisch legitimierten Gesetzgebers können nämlich durch verfassungsgerichtliche Vorgaben zu sehr eingeengt werden. Die Politik verstärkt die Macht des Verfassungsgerichtes, wenn führungsschwache Regierungen auf Entscheidungshilfe aus Karlsruhe warten oder die Opposition unmittelbar nach einer Abstimmungsniederlage im Parlament ihre Politik mit verfassungsgerichtlichen Mitteln fortsetzt. Die Bundesverfassungsrichter wiederum tragen ihrerseits zu einer übermäßigen Verrechtlichung der Politik bei, wenn sie ihre Kompetenzen überschreiten.
Bosnia & Herzegovina (B&H) is notoriously hard to govern. Scarred from a bloody war in the 1990s after the collapse of Yugoslavia, the country’s constitutional order emerged in international peace talks in the United States. What later became famous as the Dayton Peace Agreement (DPA) might have stopped the war but, in our opinion, sowed the seeds for complex democratic problems today. As we will show in this text, the ECtHR’s judgments represent a false hope for democracy in B&H, because ethnopolitical parties in B&H will not agree on how to implement the ECtHR’s judgments and the Office of the High Representative will not take a more active role in this context. We therefore argue against an earlier contribution on this blog by Woelk (2023), who suggested that the solution for the implementation of the ECtHR’s judgments should come from within the country, as we will show, ethnopolitical actors do not have a real interest in implementing these judgments. To put it bluntly, change from within is, alas, pie in the sky. It is much more likely that nothing changes and the powers that are remain the powers that will be.
Can Ukraine hold elections while it is in the midst of a full-scale invasion by Russia? This question has recently received international attention, including comments from US Senator Lindsey Graham advocating for elections during the war. However, holding elections during the current state of war faces not only factual but also legal obstacles. Genuine democratic elections cannot be conducted under fire from Russian troops.
Am 26. Juli 2023 setzten Angehörige der nigrischen Präsidialgarde Präsident Mohamed Bazoum fest und verkündeten seine Absetzung. Gleichzeitig wurden die Landesgrenzen geschlossen, die Arbeit der staatlichen Institutionen ausgesetzt, eine Ausgangssperre verhängt und die Schaffung einer Militärjunta verkündet. Es war bereits der fünfte Militärputsch in dem Staat seit der Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Frankreich im Jahr 1960. Niger war eines der letzten Länder der Sahelzone, das noch über eine demokratisch gewählte Regierung verfügte. Seit 2021 wurden in Staaten der Region wie in Guinea oder im Sudan die Zivilregierungen durch das Militär entmachtet. Die Zahl der Putsche ist so hoch, dass die Region inzwischen auch als „coup belt“ bezeichnet wird. Ist die Demokratieschutzarchitektur der Afrikanischen Union (AU) für den Umgang mit solchen Ereignissen nicht ausreichend?