Nazis im Staatsdienst?

Der Sächsische Verfassungsgerichtshof hat Anfang November 2021 die rückwirkende Einstellung eines führenden Kaders der neonazistischen Kleinstpartei III. Weg zum Rechtsreferendariat angeordnet. Das Gericht hat in dieser Entscheidung einen neuen Maßstab für die Zugangshürden zum juristischen Vorbereitungsdienst gebildet und weicht damit stark von der Rechtsprechungslinie des Bundesverfassungsgerichts ab. Eine Antwort auf Neonazis und rechte Netzwerke im öffentlichen Dienst gibt er damit nicht.

»Realizing Material Justice“

In 2021, the so called Gesetz zur Herstellung materieller Gerechtigkeit was passed by the German Bundestag. The act, which introduces a new ground for opening up closed criminal court cases, reveals a lack of respect for the formal dimension of the Rechtsstaat. As opposed to the seemingly supreme goal of realizing material justice, the more formal dimensions of the Rechtsstaat seem to be of secondary importance to some actors.

A Matter of Pragmatism rather than Principle

Taking into consideration that the backsliding of Turkish democracy during the last ten to fifteen years happened in a piecemeal and often erratic way, only partially based on constitutional amendments, the reverse process should also be possible by gradual legal and, eventually, constitutional changes. Political pragmatism, based on a clear commitment to basic democratic values and societal reconciliation, might be more important for the sustainable recovery of Turkish democracy than a radical constitutional restart.

Open Access … And Then?

In 2021, the Zeitschrift für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht (also known as the Heidelberg Journal of International Law) was reborn. Though one of the oldest public and international law journals, its editors have taken the decision to embrace a new era and mode of publishing. The ZaöRV is now a Platinum Open-Access journal.

Bürgerräte als Potential für die Handlungs- und Lernfähigkeit von Demokratien

Seit einigen Jahren entstehen in europäischen Ländern und in den USA neue Formen der Bürgerbeteiligung. Auch im neuen Koalitionsvertrag sind Bürgerräte vorgesehen. Sie könnten die aktuellen politischen Debatten wirksamer machen und Diskurse in einer fragmentierten Öffentlichkeit sinnvoll strukturieren. Das funktioniert allerdings nur unter gewissen Voraussetzungen, die sich aus den bisherigen Erfahrungen mit ähnlichen Formen von Bürgerräten ableiten lassen: Entscheidend sind transparente Ziele und Verfahren, eine inklusive Repräsentativität und die Umsetzung der sich daraus ergebenden Empfehlungen.

Chekhov’s Gun

On 9 November, the Fidesz-majority in the parliament passed an amendment on the registration of permanent addresses in Hungary, which allows to register a permanent address without actually living there. In addition, creating a fictional address will no longer be a punishable crime, as the parliament also modified the Penal Code by deleting this specific case from the provisions of document falsification. This legislative step opens the floodgates of voter tourism for the Spring parliamentary elections creating legal but unfair and undemocratic possibilities for winning the most competitive Single Member Districts.

The Conference on the Future of Europe as an Institutional Illusion

The Conference on the Future of Europe is currently underway on the basis of the joint Declaration of 10 March 2021. Nine months after the Joint Declaration there is ample evidence from the Conference that allows us to assess this institutional event. The Conference might best be described as a campaign to stimulate public interest for EU politics. It is clear that the Conference has neither the legal basis nor the institutional character to address the Union's structural problems in the face of great challenges.

Mit Auto-Autos gegen die Klimakrise?

Autonome Autos gelten oft als Schlüsseltechnologie in der „Verkehrswende“, also im Umbau der Mobilitätssysteme zu einem nachhaltigen Umgang mit der Umwelt. Die Verselbständigung der Steuerungstechnik macht den Autoverkehr allerdings nicht zwangsläufig ökologischer. Ob autonome Fahrzeuge zu nachhaltigerer Mobilität und damit zum Klimaschutz beitragen, hängt vor allem von entsprechender rechtlicher Steuerung ab. Das am 27. Juli 2021 in Kraft getretene Gesetz zum autonomen Fahren und auch der nun angenommene „Ampel-Koalitionsvertrag“ enthalten jedenfalls noch keine Absicherungen, dass die Wende zum autonomen Fahren auch nachhaltig gestaltet wird.

Mehr Menschenrechte wagen

Die neue Koalition hatte die Erwartung geweckt, sie würde nicht nur eine „Klima-Regierung“, sondern auch eine „Menschenrechts-Regierung“. In Wirklichkeit verdient die Ampel gemessen am Koalitionsvertrag diesen Titel aber nur teilweise. Da, wo Menschrechtsschutz ins Geld geht, fällt die Bilanz ebenso mager aus wie dort, wo die verschiedenen politischen Ideologien der Parteien zur Rolle des Staates kollidieren.

Bayern first, Deutschland second?

Wieso nicht eine allgemeine Impfpflicht auf Länderebene? Nicht zuletzt die großen Unterschiede hinsichtlich der Impfquoten zwischen den einzelnen Bundesländern legen das nahe, selbst wenn Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann die Verantwortung hierfür dem Bund zuweist. Kompetenzrechtlich wäre es jedenfalls möglich, und zwar grundsätzlich auch dann, wenn der Bund eine partielle Impfpflicht einführt.