Nochmals: Cannabis-Entkriminalisierung und Europarecht

Ich habe kürzlich an dieser Stelle argumentiert, dass das Europarecht mit Blick auf die geplante Entkriminalisierung des Cannabiskonsums „die völkerrechtlichen Vorgaben im Wesentlichen“ nachvollzieht. Dem ist nun widersprochen worden und zwar unter Hinweis auf Art. 71 Abs. 2 SDÜ und den Beitritt der EU zur Wiener Drogenkonvention von 1988. Darauf ist kurz zu replizieren, weil die vorgebrachte Argumentation einerseits europarechtlich zu kurz greift und andererseits in der Sache an der Dominanz der völkerrechtlichen Abkommen nichts ändert.

The Government versus the President

A few days ago, the Georgian government filed a constitutional complaint against the President of Georgia to the Constitutional Court. Many in Georgia, and not only in Georgia, think that the government is trying to curtail the powers of the president and punish the president for her pro-European political activities. What is interesting in this context is how strong the government's legal positions really are.

Mehr soziale Gerechtigkeit im Strafrecht wagen

Seit erstem Juni werden auch in Berlin wieder Ersatzfreiheitsstrafen vollstreckt. Seit März 2020 war die Vollstreckung mehrfach ausgesetzt worden, weil man aufgrund der Coronapandemie den Strafvollzug schützen und nicht mit der häufigen Aufnahme von Personen mit kurzen Haftstrafen gefährden wollte. Damit wurde etwas umgesetzt, das viele kritische Beobachter*innnen des Strafvollzugs seit langem fordern: Das Ende der Vollstreckung von Ersatzfreiheitsstrafen.

Fundamental Rights at the Digital Border

We are witnessing the emergence of the EU’s ‘digital border’: an ecosystem of interoperable databases to expand the surveillance and control of the movement of third-country nationals. In this blog post, we discuss one of the latest additions to this ecosystem - the European Travel Information and Authorisation System, or ETIAS in short - and argue that the system as it is currently set up violates the right to data protection laid down in Article 8 of the Charter of Fundamental Rights, especially in light of the CJEU’s PNR judgment earlier this week. In many ways, we consider ETIAS to be a test case for a much wider roll-out of such often AI-powered technologies in the field of border control.

A Directive altered beyond recognition

On 21 June 2022, the Court of Justice of the European Union rendered its decision in the preliminary ruling procedure on the fate of the PNR Directive. The Court had a chance to decisively answer one of the most crucial questions facing European security law: Is indiscriminate mass data retention for and the technology-induced analysis of ordinary human behavior compatible with fundamental rights? It instead opted for an enigmatic compromise creating a whole host of new questions. It does not change the fact that the PNR Directive survives – as a strange beast altered beyond recognition.

Ein Riss in zementierten Ansichten

Am 18. Mai 2022 hat die Berufungsinstanz Cour d‘appel de Paris ein u.a. wegen Beihilfe an Verbrechen gegen die Menschlichkeit und dem Vorwurf der Terrorismusfinanzierung eingeleitetes Strafverfahren gegen das Zementunternehmen Lafarge SA bestätigt. Der Umgang der französischen Justiz mit dem „Fall Lafarge“ könnte einen Wendepunkt bei der Adressierung von Kriegsökonomie markieren. Das Unternehmen „an sich“, das durch seine Anerkennung im Recht, seine Einbindung in den Markt und seine Eingliederung in gesellschaftliche Wirkungszusammenhänge längst als „corporate citizen“ in der gesellschaftlichen Realität angekommen ist, wird hier in einem starken Sinne zur Verantwortung gezogen.

Jenseits der Oligarchen

Die von der Europäischen Union beschlossenen Russland-Sanktionen haben auch in Deutschland erhebliche Defizite bei deren Umsetzung offengelegt. Mit dem Ersten Gesetz zur effektiveren Durchsetzung von Sanktionen vom 23. Mai 2022 sollen in einem ersten Schritt vor allem kurzfristig behebbare Lücken beim Auffinden sanktionierten Vermögens geschlossen werden. Es erscheint nicht übertrieben, das Gesetz als Beginn einer weitreichenden Veränderung des deutschen Sicherheitsrechts zu begreifen. Doch obwohl die Stoßrichtung des Sanktionsdurchsetzungsgesetzes im Grundsatz zu begrüßen ist, mangelt es dem Gesetz an einer klaren strategischen Zielsetzung und einem rechtlich stimmigen Regelungskonzept.

A Swedish NATO Membership and Its Constitutional Barriers

After the Russian invasion of Ukraine, the debate about a possible NATO membership in Sweden has been intense. The ruling Social Democratic Party was against a membership for a long time, but on Sunday 15 May it changed its position. Now everything points to a Swedish NATO accession and it seems likely that the constitutional barriers for that are surprisingly low: parliamentary approval with a simple majority vote.