Whatever It Takes

Deutschland wehrt sich in Brüssel mit Händen und Füßen gegen ein Gasembargo. Doch ob am Ende nicht doch die energierechtliche Notfallkaskade greifen muss, ist aktuell schwer abzusehen. Wie drastisch der Staat, kommt es hart auf hart, das öffentliche Leben einschränken kann, hat in den letzten beiden Jahren schon die Pandemie offengelegt. Nun zwingt der Angriffskrieg Russlands die Bundesrepublik ein weiteres Mal über sein Recht für den Krisenfall nachzudenken.

»A Voice Crying in the Wilderness«

This post will reveal the history of Ukraine's continuing warning to Europe, and in particular to German authorities about the security dangers of the violent Russian regime and politics. It will demonstrate how the ignorant and weak reaction of German politics to these threats (given the prevalence of economic interests over security and European values) indirectly supported the Russian invasion of Ukraine, and how the Russian regime abused European languidness and neutrality to launch a large-scale war in Europe. This blogpost is not so much about condemning the mistakes of European politicians, but about suggesting ways to solve these problems, taking into account the experience with obvious mistakes.

Blinded by the Light?

Der von Russland geführte Angriffskrieg in der Ukraine hat ein Thema in die öffentliche Debatte gebracht, welches seit langem nicht mehr so intensiv und kontrovers diskutiert wurde: den Export von Rüstungsgütern. Das ist gut und sollte ein Dauerthema sein, denn Rüstungsgüter sind per se gefährliche Güter, ihr Export ist hochpolitisch und betrifft die Sicherheitsbeziehungen zu anderen Staaten. Sie bedrohen Leib und Leben und ihre Produktion und ihr Export ist strengen Regeln zu unterwerfen. Die derzeit anlaufende sicherheitspolitische Debatte in Deutschland muss daher den Aspekt der Rüstungsexportkontrolle umfassen.

Internationale Rechtsordnung als nationales Sicherheitsinteresse

Die Zeitenwende vom 27. Februar 2022 ist faktisch das Eingeständnis einer Kluft zwischen den lang anerkannten Interessen an Multilateralismus und Völkerrecht einerseits und den außen- und verteidigungspolitischen Strategien zu deren Durchsetzung andererseits. Ein Bekenntnis zum Multilateralismus und den zugrunde liegenden rechtlichen Verpflichtungen reicht nicht mehr aus — wenn das überhaupt jemals der Fall war. Deutschlands künftige Nationale Sicherheitsstrategie muss sich mit den beschwerlicheren politischen und militärischen Verpflichtungen befassen, die notwendig sind, um ein solches System zu ermöglichen.

International Legal Order as a National Security Interest

The "Zeitenwende" of 27 February 2022 is, in effect, an admission of a gap between long-recognised interests in multilateralism and international law, on the one hand, and the sufficiency of foreign and defence policy strategies for upholding them on the other. A primary commitment to the modes of multilateralism and underlying legal obligations is no longer sufficient—if indeed it ever was—and Germany’s forthcoming National Security Strategy must address the more arduous political and military obligations necessary to make such a system possible. The turning point is, in short, the realisation of commitments deeply embedded in national foreign policy identity, which emerges as the foundation for broad legitimacy in the policy revolution.

A Constitutional Framework for Bundeswehr Operations Abroad Based on International Law

The postulated „Zeitenwende“ should not be understood simply as a historic opportunity to quickly pass the proposed reform in parliament. Even beyond the specific occasion of the Russian attack on Ukraine, the substance of the constitutional provisions on defence appears to be in need of reform. According to the opinion expressed here, the Basic Law should tie Bundeswehr missions abroad to their compliance with international law.

Ein verfassungsrechtliches Fundament für Auslandseinsätze der Bundeswehr durch Bindung an das Völkerrecht

Die postulierte „Zeitenwende“ in der Sicherheitspolitik sollte nicht bloß als historische Chance verstanden werden, die vorgeschlagene Reform schnell durchs Parlament zu bekommen. Auch jenseits des konkreten Anlasses des russischen Angriffs auf die Ukraine erscheinen die materiellen verfassungsrechtlichen Grundlagen der Wehrverfassung reformbedürftig. Nach hier vertretener Auffassung sollte das Grundgesetz Auslandseinsätze der Bundeswehr an deren Völkerrechtsmäßigkeit binden. Denn wie die Initiatorinnen dieses Symposiums betonen, besteht für die deutsche Sicherheitspolitik auch eine Verantwortung für die internationale Ordnung und die Wahrung und Durchsetzung des Völkerrechts.

Distrust – Trust – Recognition

Could it be that even Russia’s current political leadership is in truth not necessarily interested in conquering the land and people of Ukraine, but in proving Russia’s great power status? If so, the classification as a „regional power“ would be a violation of Russian self-esteem and status consciousness, for the healing of which Russia is starting a war that is contrary to international law, morally reprehensible, economically absurd and cruel, and devoid of any pragmatic rational explanation.

Misstrauen – Vertrauen – Anerkennung

Könnte es sein, dass es selbst der gegenwärtigen politischen Führung Russlands in Wahrheit gar nicht un­bedingt um die Eroberung von Land und Leuten der Ukraine geht, sondern um den Beweis des russischen Großmachtstatus? Dann wäre die Einstufung als „Regionalmacht“ eine Verletzung russischen Selbstgefühls und Statusbewusstseins, für dessen Heilung Russland einen völkerrechtswidrigen, moralisch verwerflichen, ökonomisch widersinnigen und grausamen Krieg bar jeder realpolitisch-rationalen Erklärungs­fä­higkeit vom Zaune bricht.

Are We in for a New Wave of Investment Arbitrations?

In response to the sanctions imposed on Russia, the country has doubled-down and announced a set of retaliatory measures affecting investors from ‘unfriendly’ countries. The scale of potential losses foreign investors face in Russia is probably the largest since the aftermath of the revolution in 1917, which saw mass nationalization and Russia’s default on the foreign debt. However, the legal landscape protecting foreign investors has significantly changed since 1918. Consequently, they have much better legal options today for redressing their financial losses.